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Gewalt & Konflikte in der Corona-Quarantäne

Gewalt hat viele Gesichter: nicht nur Schlagen im körperlichen Sinn, sondern auch Anschreien, Abwerten, Beschimpfen, aber auch Ignorieren des Gegenübers sind gewaltvolle Handlungen, die verletzen und nachhaltig Beziehungen schädigen.


Die Gründe, warum es überhaupt dazu kommt, sind individuell verschieden, haben jedoch meistens mit eigenen, traumatischen Vorerfahrungen, Ängsten, Projektionen, hilflosem Schreien nach Bedürfnisbefriedigung, Ohnmachtsgefühlen, ..... letztendlich mit extremem Stress zu tun. Irgendwann setzt die Vernunft, das, was unseren Werten entspricht und wie wir eigentlich sein wollen aus und dann kommen sehr archaische Verhaltensmuster zum Vorschein: Angriff, Flucht, oder - wenn beides nicht möglich erscheint: Starre. Vernichtung gehört auch noch zu den Varianten, ich ordne sie jedoch bei "Angriff" ein.


Enges Aufeinanderkleben ist besonders für Beziehungen, die ohnehin schon vor der Corona-Krise schwierig waren, für manche jetzt wie Sprengstoff!

Kinder, die per se nicht für Quarantäne-Bedingungen geschaffen sind, die viel Erlebnismöglichkeiten, Lernfelder, also die Welt da draußen brauchen, um ihrem natürlichen Drang nach Bewegung, Neugier, Lernen, Erfahrungen sammeln nachzukommen, sind jetzt besonders gefährdet, sowohl Auslöser als auch Blitzableiter für so manche aggressive Entladung zu sein. Sie können es nur nicht verstehen - das können übrigens auch Erwachsene oft schwer UND es ändert nichts an der Kränkung, die stattfindet!


Wir brauchen also Strategien zur Bewältigung von Aggression, zur Verhinderung von Gewalt, zur Deeskalation von Konflikten und was einem sonst noch so widerfahren kann, wenn man viel Zeit auf engem Raum mit anderen Menschen verbringt.


Die beste Variante ist, zu verhindern, dass es überhaupt zur Eskalation kommt.

  • Sei in dieser herausfordernden Zeit nicht so streng, schraub deine Erwartungen runter - sowohl an dich selbst, als auch an andere.

  • Achte gut auf dich selbst, so dass deine Grundbedürfnisse gestillt sind und du auch Verschnaufpausen, kurze Auszeiten für dich selbst hast.

  • Sorge dafür, dass du mit jemandem reden kannst, am Besten mit jemand, der nicht mit dir zusammen wohnt. Telefon, Skype, Facetime, WhatsApp, egal, Hauptsache ist, du kannst dich austauschen und merkst, dass du nicht allein bist mit deinen Problemen.

  • Sprich ärgerliche Situationen an, noch bevor es sich aufschaukelt. Leider ist oft so eine Art Teufelskreis aus lange-nichts-sagen-aber-irgendwann-völlig-ausrasten in Gang. Aus Angst schweigt dann der andere und tickt aber auch früher oder später aus. Also besprecht Störendes möglichst gleich, solange es noch "harmlos" ist.

  • Bevor du ausrastest, geh in ein anderes Zimmer, schaffe dir eine Rückzugsmöglichkeit oder Auszeit. Wenn möglich, geh an die frische Luft (Balkon, Garten, Straße)

  • Agiere die aufgestaute Energie aus: bewege dich, z.B. auf und ab gehen, hüpfen, ausschütteln, den ganzen Körper abklopfen, auf einen Polster/Boxsack hauen oder auch Sport oder Holz hacken können hilfreich sein.

  • ATME!!!! Fest Ausatmen (Einatmen ist ein Reflex) und nun Fokussiere und benenne 5 Dinge um dich herum, die du wahrnimmst (sehen, hören, riechen, spüren) - damit holst du dich ins Hier und Jetzt zurück und kannst deine "Vernunft" bei dir halten, so dass du hinterher nichts zu bereuen hast.

Du darfst aggressive Gefühle haben, aber bitte lebe sie nicht durch Gewalt gegen andere aus! Besonders Kindern gegenüber denk daran: vielleicht bist du die einzige Person, die Gewalt gegen die Kinder verhindern kann!!!


Wenn das Gewitter da ist

Sag, was du fühlst! Wenn du sagst: "ich bin wütend! Ich hab keine Nerven mehr!" dann erfahren die anderen, wie es dir geht und du hast niemandem weh getan, weil du nur etwas über DICH ausgesagt hast. Auch wenn du sagst "Ich weiß nicht was ich machen soll, ich drehe gleich durch" ist das Ausdruck deiner Verzweiflung. Du darfst es auch laut sagen, mit Nachdruck. Die anderen werden die Ensthaftigkeit der Lage erkennen. Bleib bei Ich-Botschaften, keine Du-Botschaften!


Hol dir Hilfe! Das ist keine Schande, es kommt in den besten Familien vor. Es bleibt deine Verantwortung, für Abhilfe zu sorgen. Wenn du Hilfe brauchst, wende dich an Profis, an mich direkt, an www.sos-corona.at an Helplines usw.


Allgemein noch folgende Tipps:

  • Schänke den Medienkonsum auf Fakten ein - das gilt für alle Familienmitglieder! Auch Überinformation bezüglich der Corona-Entwicklungen können völlig irre machen.

  • Sorge für einen strukturierten Tagesplan, so dass jeder eine Idee hat, was er zu tun hat und am Ende eine Art "Erfolgserlebnis" steht. Und bleib locker, wenn nicht alles zu 100% erledigt wurde.

  • Nutzt Telefonie, Computer, Tablets und anderes um soziale Kontakte virtuell aufrecht zu erhalten. Das erhöht zwar die Medienzeit, ist aber wichtig, um sich nicht so ganz allein und isoliert zu fühlen.

  • Denk nicht zu viel nach, im Sinne von Gedankenkreisen. Sorge lieber für Bewegungsmöglichkeiten in und außerhalb der Wohnung.

  • Lass dich nicht von negativen Gefühlen übermannen - nimm sie wahr, doch lass sie auch wieder vorbeiziehen, nicht hineinsteigern, das passiert durch gedankliches Hineininterpretieren, Bewerten, Ausmalen... Stell dir vor, das Gefühl ist wie eine Wolke, die auch wieder vorbeizieht und du kannst sogar mit deinem Pusten dazu beitragen, dass sie das tut.

  • Bleib positiv, suche Erheiterndes, erinnere dich an Schönes, denk an Freudvolles, schau dir lustige Filme an, lies aufbauende Bücher, beschäftige dich mit konstruktiven Dingen.

  • Nutze die Zeit für Dinge, die du schon lange mal erledigen wolltest und nie Zeit dafür hattest.

  • Es geht vorbei, soviel ist sicher.


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